Freitag, 29. März 2013

ein König im Exil (Robert de Ropp über Gurdjieff)

Ropp: "Er muss ein sehr seltsamer Mann gewesen sein, dieser Gurdjieff." Ouspensky starrte mich an, als ob ich etwas Lächerliches gesagt hätte. "Seltsam? Er war außergewöhnlich! Sie können sich nicht mal vorstellen wie außergewöhnlich Gurdjieff war."

Gurdjieff... Sogar jetzt, fast dreißig Jahre nach seinem Tod, besitzt dieser Name für mich eine gewisse Magie. Er war ohne Zweifel das außergewöhnlichste menschliche Wesen das ich je getroffen habe.

...er war ein Meisterspieler des Grossen Spiels und so weit entfernt vom menschlichen Durchschnitt, dass er fast zu einer anderen Spezies gehörte. Das Leben Gurdjieffs repräsentierte einen speziellen Aspekt des Wegs des Kriegers. Mehr als irgendein anderer Mann, den ich kennengelernt habe, lebte er nach selbst auferlegten Regeln und verfolgte mit voller Absicht seine Ziele. Im vollsten Sinne des Wortes war er innerlich gelenkt und lebte strategisch, wissend was er tat und warum er es tat. Er kümmerte sich nicht um künstliche Gesetze, die schwächere Personen auf begrenzte Verhaltensweisen einengten. Er schaffte seine eigenen Gesetze und spielte das Spiel nach seinen eigenen Regeln. Weil diese Gesetze und Regeln sich von denen unterschieden, die normalerweise menschliches Verhalten beherrschen, schien er für die einen ein Enigma zu sein und für andere ein Verrückter. 
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Mein Eindruck von Gurdjieff war der eines Königs im Exil, der nicht nur durch den Raum sondern auch durch die Zeit disloziert worden war.
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Jesus hatte offenkundig viel von diesem Hvareno. Gurdjieff hatte es auch. Es gab ihm die Qualität eines Königs im Exil. Sein Königreich war weder in unserer Zeit noch an unserem Ort. Er hätte, wenn er es gewollt hätte, sein Hvareno nutzen können, um grosse Massen um sich zu scharen. Er hätte Tausende Anhänger haben können.

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