Donnerstag, 14. November 2013

der Zustand der Identifikation

»Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen«. »Ich konnte meine Augen nicht vom Spiel losreißen.« »Ich war völlig in das versunken, was ich tat.« 

Mit solchen und zahllosen anderen Phrasen beschreiben die Leute den Zustand der Identifikation und den Verlust der Freiheit zum Teilnehmen, die er auferlegt. Ein packender oder spektakulärer Anblick, eine wirkliche oder eine imaginäre Geschichte hat unsere Neugier geweckt und uns in diesem Vorgang verschlungen.

Wir sind wie Fliegen im Spinnennetz gefangen, manipuliert, gesteuert, angekettet. Beobachten Sie die Gesichter von Leuten auf der Rennbahn, bei einem Baseballspiel, einem Stierkampf, einem Boxkampf, bei irgend einem Schauspiel der bombastischen oder der brutalen Art. Hinter den Gesichtern ist nichts. Sie sind leer, Masken, das Haus ist unbewohnt.

Dies ist die »versklavte Aufmerksamkeit«. In diesem Zustand sind das innere Schweigen und das einfache Gewahrsein verloren gegangen, und das ganze Feld des Bewußtseins ist von einem siegreichen Feind besetzt. In diesem Zustand der versklavten Aufmerksamkeit wird die vitale Kraft verschwendet.

Ropp - Das Meisterspiel S.85

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